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"The Outsiders" - Bandenkrieg bei der Theatergruppe des Lyceum Alpinum Zuoz

Der Vorhang ist gerade erst gefallen aber schon jetzt schwelgen wir in Erinnerungen. Am 17. März 2017 war es soweit: Die Premiere von "The Outsiders" stand kurz bevor und das aufgeregte Publikum nahm langsam Platz im architektonisch eindrucksvollen Zuoz Globe. Das Theater kündigte ein Meisterstück an, das ebenso tief auf das Gemüt drücken würde. Die Scheinwerfer erhellten die Szenerie, doch erst die talentierten Nachwuchs-Schauspieler der English Theatre Company erstrahlten tatsächlich auf der Bühne. Die Theatergruppe des LAZ wagte sich wieder mal mutig auf unberührten Boden vor, denn zum ersten Mal in der Geschichte des Lyceum Alpinum Zuoz stellte ein Schüler das gesamte Theaterstück auf die Beine. Der Maturand Jonathan Ferrari aus Samedan war alleine verantwortlich für Drehbuch und Regie. Unter der Leitung von Ivo Bärtsch wurde Susan E. Hintons Roman "The Outsiders" aus dem Jahr 1967 zum Leben erweckt. Doch Leben und Tod liegen unweigerlich nah beieinander, was die Zuschauer während des Stückes leidvoll erleben mussten. Während die Mitglieder der Theatergruppe mit Leidenschaft in die Rolle zweier befeindeter Gangs schlüpften, entwickelte man selbst zwiespältige aber dennoch fesselnde Gefühle für die Hauptcharaktere. Jonathan adaptierte eine Geschichte, wie sie realer und aktueller nicht sein könnte.

Gang und Peng Peng - die Handlung

Ponyboy Curtis hatte es nie leicht. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und versuchte sein ganzes Leben lang, sich nicht von seiner Umgebung brutalisieren oder emotional betäuben zu lassen. Einzig und allein seine Gang die "Greasers" boten ihm ein Zuhause und einen geborgenen Zufluchtsort mit Gleichgesinnten. In dem bewegenden Plot über die bedeutungslosen Rivalitäten zwischen den reichen "Socs" und den armen "Greasers" stellt sich schnell heraus, dass sich beide Gruppen gar nicht so sehr unterscheiden. Denn am Ende des Tages sind sie alle "Outsider" der Gesellschaft. Als durch blinden Hass ein Streit eskaliert, gerät das Leben der Jugendlichen aus der Bahn.

Das Regie-Genie - Jonathan Ferrari

Jonathan Ferrari entschied sich ganz bewusst für die Romanvorlage: Mich hat das Buch gereizt, weil ich beim Lesen das Gefühl hatte, dass es im Allgemeinen viel Verbesserungspotential bietet. Ich wollte kein „perfektes“ Buch adaptieren, denn sonst wäre meine persönliche Arbeit deutlich langweiliger und das Endprodukt viel weniger originell gewesen. Außerdem wollte ich nicht nur ein geschriebenes Skript haben, sondern etwas, das auch gespielt werden kann.

Der Roman erschien vor genau 50 Jahren, für Ferrari ist das Thema jedoch aktueller denn je: Mein ganzes Leben habe ich auf dem Land verbracht. Das „Gangleben“ ist den Leuten wie mir grösstenteils fremd. Jedoch glaube ich, dass es auch heute viele unterschiedliche Gruppierungen gibt, nur aufgrund der finanziellen Lage der Familie. Ich schätze es daher, am Lyceum Alpinum Zuoz zu sein, wo sich solche Gruppen vermischen. Man lernt, den Menschen und nicht den finanziellen Hintergrund zu bewerten.

Um den Roman auf die Stage zu bringen, meisterte der Jung-Regisseur einige Herausforderungen: Die grösste Herausforderung für mich war eigentlich meine eigenen Fehler im Skript oder in meinem Arbeitsvorgehen zu finden und zu beheben. Die Fehler der anderen sieht man immer relativ schnell. Die eigenen Fehler zu identifizieren und seine „Hausaufgaben“ zu machen, kann deutlich schwerer und anspruchsvoller sein. Ich hatte außerdem das Glück mit extrem motivierten Leuten zusammenzuarbeiten und somit gab es für mich keinen Grund „Chef“ zu spielen. Ich habe von Anfang an allen klar gemacht, dass es für mich genauso ein „learning by doing“ sein wird wie für sie. Somit war das ganze Projekt eine riesige Kooperation und fern von einer Diktatur.

Auch in der Rolle des knallharten Greaser Dallas „Dally“ Winston fühlte sich Ferrari in die Geschichte ein: Ich habe mich bei der Rollenvergabe mit Ivo unterhalten und „Dally“ war der Einzige, der am Schluss noch übrig blieb. Daher kam mein Reiz für die Rolle erst, als ich sie schon hatte. Ich habe beim Spielen von Dally versucht, sein kaltes Umgehen mit Leuten zu zeigen, damit der Moment, wo seine Gefühle wirklich zum Vorschein kommen, noch stärker wirkt.

Für die Zukunft hat der talentierte Student eine klare Vorstellung: Zuerst einmal möchte ich Militärdienst leisten. Ich freue mich nicht speziell darauf, jedoch ist die Abwechslung nach zwölf Jahren Schule vielleicht nicht so schlecht. Danach wird es sich sehen lassen, obwohl das Showbusiness mich im Allgemeinen schon sehr reizt und es ein persönlicher Traum wäre, etwas in der Richtung beruflich zu machen.

Bühne frei für junge Talente

Was auch immer die Zukunft für Ferrari bereit hält, mit "The Outsiders" hatte er einen gelungenen Auftakt, zu dem wir ihm herzlich gratulieren möchten. In den vier Vorstellungen war das Publikum von der Leistung der Theatergruppe begeistert und bedankte sich mit einem herzlichen Applaus. Wir sind stolz, unseren Schülerinnen und Schülern eine Bühne zu bieten, auf der sie ihre vielfältigen Fähigkeiten vollends entfalten und über sich hinauswachsen können.

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